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Was nach dem Auftritt bleibt

16.12.09 20:49 Alter: 263 Tage

Von: Liliana Heldner

Also, ich erinnere mich, dass ich für «La Brièveté» folgenden Gedanken hatte:

"This performance really misses a rabbit in it." Und bei «Il faut que je m’absente» dachte ich nach jedem Auftritt "Oh no, not again! He's escaped again! The rabbit is missing!"

Mike Winter

Das Make-up verschmiert, die Frisur aus den Fugen, die Haut glänzt vom Schweiss. Erschöpfung, Schmerz oder Freude stehen ins Gesicht geschrieben. Philippe Saire stellt in zwei Porträtserien die Performance und den Einsatz der der Mitwirkenden in den Mittelpunkt. Zum Jahresende nimmt Danse Suisse diesen Gedanken auf zeigt Philippe Saires «Sorties de Scène» als Hommage an die Tänzerinnen und Tänzer.
In diesen Bildern, jeweils nach den Vorstellungen von «Est-ce que je peux me permettre d’attirer votre attention sur la brièveté de la vie?» und «Il faut que je m’absente» aufgenommen, kommen wir den Tänzerinnen und Tänzern ganz nah - die Erschöpfung, der eben erlebte Auftritt, die verrutschte Schminke lassen Barrieren fallen und geben den Fotos eine ganz eigene Intimität.
Die zwei Fotoserien mit den sechs Tänzerinnen und Tänzern entstanden unmittelbar nach den Auftritten, immer am gleichen Ort, mit spärlichem Licht und mit der Anweisung, nicht zu lachen, sondern nur an den Auftritt zu denken. Die Vertikale verweist auf die einzelnen Vorstellungen, die Horizontale zeigt den Weg, den jede Tänzerin, jeder Tänzer im Laufe der elf oder vierzehn Vorstellungen zurücklegte.
Mit seiner Porträtserie lenkt Philippe Saire den Blick auf den Tanz und die Tänzer, schafft Anerkennung und Erinnerung. Die Bilder regen zu Gedanken an, die Danse Suisse wichtig sind: Ausbildung der Bühnenkünstler, tägliches Training, Proben, Auswendiglernen, Konzentration und Durchhaltevermögen. Und weiter: wie geht man mit dem Druck der Vorstellung um, mit dem Publikum, mit der Gefahr, der man als Tänzer den Körper aussetzt? «Gleichgültig, ob sie vor dem Auftritt glücklich, traurig oder krank waren, oder ob sie unzufrieden, erschöpft oder einfach leer wieder von der Bühne gehen - während der Vorstellung geben sie sich vollkommen hin.»

Zum Schluss einige Gedanken der Tänzer:
«Gleich nach der Vorstellung habe ich keinen Gedanken bis zu meinem ersten Bier, gegenüber den Gedanken der Zuschauer ...»
Mickaël Henrotay Delaunay

«Wenn ich von der Bühne gehe, denke ich nur an das Publikum – das Publikum im Foyer mit einem Glas Wein, das Publikum im Auto auf dem Nachhauseweg, das Publikum auf der Toilette oder schon im Bett. Wenn ich tanze, gebe ich mich dem Publikum, und nach dem ich getanzt habe, gehöre ich ihm.»
Pablo Esbert Lilienfeld

«Die Hoffnung, ein Gefühl mit einem Blick wecken zu können, mit einem Lächeln oder einer Bewegung. Das Bedürfnis, mich von den Gefühlen der Zuschauer reinwaschen zu können, um am nächsten Tag mit der gleichen Intensität geben zu können. Ein Glas Wein, eine Zigarette und dann ab ins Bett.»
Matthieu Guénégou
-> www.philippesaire.ch

Photos: Philippe Saire
Sortie de scène_2006
Est-ce que je peux me permettre d’attirer votre attention sur la brièveté de la vie?
joué 11 fois, du 19 au 31 décembre 2007, aux Eaux-Vives, salle de l'ADC (Genève)

Sortie de scène_2008
Il faut que je m’absente
joué 14 fois, du 5 au 23 novembre 2008, Théâtre Sévelin 36 (Lausanne)

 

 

© erias


Dateien:
Sortie_de_scène_2006_01.pdf
Sortie_de_scène_2008_01.pdf

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