Genfer Bericht zu «Tanz und Geld»
Am 19. Januar stellte das Kulturdepartement der Stadt Genf den Bericht des «observatoire», vor. Der Bericht liefert eine umfassende Studie über die zur Verfügung stehenden Finanzmittel und ihre Verwendung in der Tanzszene.
2004 wurde in Genf die Arbeitsgruppe «Tanz und Geld» gegründet, in welcher Vertreter der Künstler, Institutionen und Behörden mitwirkten. Die Arbeitsgruppe sollte untersuchen, wie die Stadt Genf die Subventionen für das choreographische Schaffen in der freien Szene vergibt. Aufgrund des ersten Berichts, der 2005 veröffentlicht wurde, gründete man das «observatoire», eine Beobachtungsstelle für den zeitgenössischen Tanz, die 2006 ihre Arbeit aufnahm.
Der eben veröffentlichte Bericht enthält Informationen zur Genfer Vergabungspolitik im Bereich zeitgenössischer Tanz sowie eine detaillierte Analyse der Budgets und Abrechnungen von acht Tanzprojekten, die in den Jahren 2005 bis 2007 von professionellen Genfer Kompanien produziert wurden.
Danse Suisse sprach mit Virginie Keller, Ko-Autorin des Berichts, über die Resultate der Studie und die vorgeschlagenen Massnahmen.
Die Studie lieferte einige konkrete Anhaltspunkte:
- Je mehr die öffentliche Hand (Stadt, Kanton, Loterie Romande und Pro Helvetia) ein Projekt unterstützt, desto grösser ist die Chance, dass sich private Institutionen an der Finanzierung beteiligen und das Projekt realisiert werden kann. Der Beteiligung dieser Förderstellen kommt demnach grosse Bedeutung zu.
- Die öffentliche Hand sollte jene Beträge sprechen, die in den Budgets vorgesehen sind, um den geforderten Minimallohn von 4‘000 Schweizer Franken garantieren zu können. Dieser Minimallohn wurde im Manifest für den Tanz bereits 2004 festgesetzt. 2010 ist man noch immer weit davon entfernt.
- Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Theater und Veranstalter müssen sich dem Tanz öffnen. Die Produktionsbudgets müssen gemeinsam diskutiert und Koproduktionen geplant werden, um die Situation in der Tanzszene zu verbessern.
Als Massnahmen werden vorgeschlagen :
- Die öffentliche Hand übernimmt die in den Budgets ausgewiesenen Beträge und verzichtet auf Kürzungen. Die Kunstschaffenden müssen auf dieser Forderung beharren und sie müssen sich für die Schaffung einer Sozialversicherung einsetzen. Letzteres ist ein Genfer Projekt für alle Kunstschaffenden und wird vom Rassemblement des Artistes et Acteurs Culturels RAAC verfolgt. Aber natürlich stellt sich auch hier die Frage, woher das Geld für diese Sozialversicherung kommen soll.
- Um dem Tanz auf den Genfer Bühnen mehr Raum zu geben, wird empfohlen, das Gespräch mit den Veranstaltern aufzunehmen und gleichzeitig die Theater besser zu finanzieren, damit sie mehr für das choreographische Schaffen tun können.
- Nicht zuletzt muss die Diskussion um die Förderung durch die öffentliche Hand weitergeführt werden.
Gemäss Virginie Keller liegt der Ball nun bei den Tanzschaffenden, insbesondere bei den Rencontres Professionnelles. Keller weist aber auch darauf hin, dass Studien zur finanziellen und sozialen Situation von Choreographinnen und Choreographen weitgehend fehlen. Es sollte im Interesse aller Beteiligten sein, hier Abhilfe zu schaffen. Da man davon ausgehen kann, dass in den anderen Schweizer Kantonen die Situation der Tanzschaffenden kaum von jener in Genf abweicht, bietet der Bericht die Möglichkeit zu einer interkantonalen Diskussion.
Weitere Informationen:
Journal de l’adc, Nr. 29 und 30, 2003 zum Thema « Tanz und Geld »
-> www.adc-geneve.ch
Dossier zur sozialen Sicherheit von Kunstschaffenden
-> www.geneveactive.com
Publikation des RAAC «art, culture et création »
-> www.raac.ch
-> www.ville-ge.ch