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Tanz durch den Sommer

08.07.10 14:59 Alter: 60 Tage

Von: Liliana Heldner

Openair oder in Räumen, auf Strassen oder Bühnen, poetisch, konzeptionell oder reflektierend, die ganze Welt oder eine kleine Welt – der Tanz macht keine Sommerpause, sondern präsentiert sich in den nächsten Wochen vielfältig und spannend. Lassen Sie sich verführen, inspirieren, überraschen. Das Team von Danse Suisse wünscht einen schönen Sommer und meldet sich am 26. August zur neuen (Verbands-)Saison.

Schweizerischer internationaler Weiterbildungskurs in Choreographie SiWiC
5. bis 16. Juli 2010
-> www.prochoreo.ch 
Der 14. SiWiC findet vom 5. bis 16. Juli 2010 unter der künstlerischen Leitung von Reinhild Hoffmann im Tanzhaus Zürich statt. Reinhild Hoffmann gehört – mit Susanne Linke, Pina Bausch, Gerhard Bohner und Johann Kresnik – zu der Pioniergeneration des deutschen Tanztheaters. Ihre Ausbildung erhielt sie bei Kurt Jooss an der Folkwang-Hochschule Essen. 1978 gründete sie am Bremer Theater ein eigenes Tanztheaterensemble. Ihre dort entstandenen Arbeiten waren nicht mehr länger Choreographien im üblichen Sinn, die Übersetzung einer vorgegebenen Erzählung oder Musik in die Sprache des Tanzes, sondern tatsächlich „Stücke“, eigene Kompositionen aus Bewegung, Raum und Klang, die das Thema, das sie erzählen, überhaupt erst hervorbringen.
Seit 1995 arbeitet Reinhild Hoffmann freischaffend als Choreographin, Tänzerin und Regisseurin. Den SiWiC stellt sie unter das Thema «In einer Begrenzung eine Welt entdecken». Die Choreographinnen und Choreographen Daria Gusberti, Nunzio Impellizzeri, Lina Limosani, Thérèse Nylen, Minka-Marie Heiss, Abhilash Ningapp sind im Kurs gefordert, eine adäquate, persönliche Körpersprache im Zusammenhang mit den vielfältigen Varianten zum Thema Begrenzung zu finden.
Die öffentlichen Showings mit den Choreographinnen und Choreographen geben Einblick in die Arbeit. Tänzerinnen und Tänzer: Katja Geiger, Mimi Jeong, Laura Ramos, Raphaele Teicher, Marta Zollet, Rebecca Weingartner, Azusa Nishimura, Olga Maria Palliani, Matheu Rosalia Ortega, Beatrix Koller (stagiaire), Exequiel Barrera, Slawek Bendrat, Constantin Georgescu, Romain Guion, Mathis Kleinschnittger, Alberto Franceschini, Petr Opavsky, Reinier Powell, Sebastian Rowinsky, Huy Tran (stagiaire).
Daten: 9., 14.,. 16. Juli 2010, jeweils 17.30 h im Tanzhaus Zürich.

neuchâtel scène ouverte 2010
3. bis 18. Juli 2010
-> www.adn-scene-ouverte.ch
Am letzten Samstag trafen die Stars von M.E.S.T. in Neuchâtel ein! Die Compagnie d’Utilité Publique zeigte sich in einer Vorpremiere zu ihrer choreographischen Serie. Am Abend eröffnete die Cie. Linga mit no.thing , einer reinen Bewegungsstudie, und dem dynamischen und humorvollen Concerto das Festival. So zeigte sich bereits am ersten Abend, wie vielfältig und kontrastreich sich das Programm dieses kleinen aber sehr gehaltvollen Festivals präsentiert.
Weiter geht es mit der faszinierenden Begegnung der Gegensätze in Irina Lorez‘ still, mit den amourösen Experimenten von Yadi und Nicolas Cantillon in Romance-s und dem Kitsch von  Delgado und Fuchs in ihrem Stück mit dem vielsagenden Titel Manteau long en laine marine porté sur un pull à encolure détendue avec un pantalon peau de pêche et des chaussures pointues en nubuck rouge. In den Strassen Neuenburgs wird man zum Beispiel der Cie. Pas Perdus unter der Leitung von Susanne Mueller begegnen, der Akrobatik der Cie. Loutop von Moni Wespi und der neuen Produktion der Cie. Magda Leòn von Romina Stifani.

Festival de la Cité Lausanne
6. bis 11. Juli 2010
-> www.festivalcite.ch
Die Edition 2010 des Festival de la Cité verwandelt noch mehr Orte in Bühnen. Foofwa d’Imobilité und seine Avatare werden in der ‚Cour’ auftreten, während Rui Horta und ein chinesischer Akrobat die neue, von Stufen umgebene Bühne der Place du Château bespielen werden. Doch das Festival macht auch die Strasse zur Bühne mit Da Motus! und ihrem bunten …con tatto oder der automobilistischen Vision der Human Playground. In der ‚Fabrique’ ist Dernière Tangente aus Nyon zu sehen, die in ihrer Arbeit Kunst, Tanz, Musik und Video verbinden.

FAR° festival des arts vivants Nyon
11. bis 21. August 2010
-> www. festival-far.ch
FAR° findet dieses Jahr unter der neuen Direktorin Véronique Ferrero-Delacoste statt. Gina von Eugénie Rebetez, das an dieser 26. Ausgabe des Festivals zu sehen sein wird, fordert zum Hören und Sehen auf. Eine Aufforderung, die sich im Titel des Festivals findet und wie ein Roter Faden durch das Programm zieht. Die Sprache steht im Mittelpunkt: geschrieben, gesprochen,  alltäglich oder für die Bühne verfasst.
In Title von Laura Kalauz und Martin Schick wird äusserst humorvoll mit Worten, Gesten und Bewegungen Verständigung gesucht. Eszter Salamon erforscht in ihrer Choreographie zu Lecture on nothing von John Cage die Beziehung zwischen Bewegung und Stimme. Jérôme Bel schliesslich hinterfragt das Tänzersein indem er Cédric Andrieux, Mitglied der Merce Cunningham Company bittet, seinen Alltag als Tänzer zu erzählen.
Bereits vor zwei Jahren  wurde l’artiste associée eingeführt, ein spannendes Format, dass einem jungen Künstler zur Verfügung gestellt wird: geboten wird ein Ort der Reflexion, Produktionsförderung, Unterstützung zur Vermittlung. In diesem Jahr wurde YoungSoon Cho Jaquet eingeladen, die ihre neue Produktion Romanesco vorstellen wird.

31. Zürcher Theater Spektakel

19. August bis 5. September 2010
-> www.theaterspektakel.ch
Nach Afrika (2008) und Lateinamerika (2009) richtet sich dieses Jahr der Fokus auf Asien und damit auf eine Weltregion, die sich in der jüngeren Vergangenheit wie kaum eine andere veränderte. In der 30-jährigen Geschichte des Theater Spektakels waren Gruppen aus dem asiatischen Raum regelmässig im Programm. 2010 öffnet sich wieder ein Fenster Richtung Ferner Osten und zeigt aktuelle, urban geprägte Arbeiten aus den Megacities Tokio, Jakarta, Bangkok und Peking. Die Kunstsparte Tanz präsentiert sich als vielfältiger Programmpunkt mit spannenden Produktionen:
Der japanische Regisseur Toshiki Okada zeigt mit seiner Gruppe chelfitsch die jüngste Inszenierung Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech (29.‒31.8.) ein ausgezeichnetes Beispiel seiner hochkomplexen Theatersprache, einer präzisen, vielschichtigen Mischung aus Sprechtheater und Tanz.
Der thailändische Choreograf Pichet Klunchun ist ein Meister des traditionellen Khon-Tanzes. Er beherrscht nicht nur den uralten Tanzstil in Perfektion, sondern setzt ihn in Beziehung zu zeitgenössischen Choreografien. Im Stück Nijinsky Siam nähert er sich der legendären Tanzikone Vaslav Nijinsky und kreiert eine in jeder Hinsicht aussergewöhnliche Begegnung zwischen Asien und Europa. (31.8.‒2.9.)
Auf geradezu aberwitzige Weise löst der indonesische Choreograf Jecko Siompo im Tanztheaterstück Terima Kos (Room Exit) den Gegensatz von Folklore und Popkultur, von Tradition und Moderne auf. Tänzerisch hinreissend gelingt Jecko Siompo und seinem 10-köpfigen Ensemble mit der unglaublichen Mischung aus traditionellem Tanz aus West Papua und Hip-Hop eine höchst originelle Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit. (19.‒21.8.)
Aus Lateinamerika und Afrika sind die folgenden Produktionen mit Tanz vertreten:
Enrique Diaz, führender Regisseur der Theaterszene Brasiliens, und die Choreografin Cristina Moura, die letztes Jahr in Zürich ein Solo zeigte, arbeiten zur Zeit mit dem Coletivo Improviso mit Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Disziplinen in Rio de Janeiro an einem Stadterforschungsprojekt otro (or) weknowitsallornothing und erstellen nach und nach eine theatrale Kartografie von Rio (19.‒21.8.)
Die ebenfalls aus Rio stammende, junge Choreografin Marcela Levi ist eine Vertreterin der Performanceszene Brasiliens. Mit ihrem Duo around the hole everything is edge zeigt sie eine expressive Körperarbeit an der Schnittstelle zwischen Tanz und bildender Kunst. (24.+25.8.)
Boyzie Cekwana hat am Theater Spektakel 2009 mit grossem Erfolg Influx Control, den ersten Teil seiner gleichnamigen Trilogie, uraufgeführt. Für Teil 2 unter dem Titel 12th night or I will not be held black hat sich der südafrikanische Choreograf und Performer mit der Opernsängerin Pinkie Mtshali zusammengetan. Die Uraufführung fand am 7. Mai an den Rencontres Internationales Chorégraphique in Paris/Saint Denis statt. (2.‒4.9.)
Erstmals wird in Zürich eine Arbeit der grossen südafrikanischen Choreografin Robyn Orlin zu sehen sein. Ihre Markenzeichen sind turbulente choreografische Cocktails, politisch, provokant und immer am Puls der Zeit. Sie zeigt die Wiederaufnahme von Daddy I’ve seen this play six times and they still hurt each other von 1998, das nichts an Aktualität und Bissigkeit eingebüsst hat. (20.‒22.8.)
Eine jüngere südafrikanische Künstlergeneration vertritt die 29-jährige Performerin und Spoken Word-Artistin Ntando Cele, die zurzeit in Amsterdam an der renommierten Tanz- und Theaterakademie DasArts studiert. Sie wird ihr Solo Cypher Session als Premiere zeigen. (31.8.+1.9.)
Zwei weitere Highlights: Zimmermann & de Perrot zeigen Chouf Ouchouf, eine spektakuläre zirzensische Arbeit, die sie mit der 15-köpfigen marokkanischen Groupe acrobatique de Tanger erarbeitet haben. (27.‒31.8.) Und Alain Platel zeigt mit Gardenia seine jüngste Arbeit für Les Ballets C de la B: Sechs Transsexuelle im Alter über 60 erzählen von ihrem Leben zwischen den Geschlechtern. (2.‒5.9.)
Mit weiteren Überraschungen ist bei der definitiven Programmankündigung heute Freitag, 9. Juli zu rechnen.
Programmzeitung: Am 12. Juli, als Beilage im Tages-Anzeiger; anschliessend für CHF 3.– an grösseren Kiosken in der ganzen Schweiz.
Beginn Vorverkauf: 14. Juli, 08.00 Uhr



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