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Unterstützung für das Théâtre de l'Usine in Genf

Danse Suisse engagiert sich für das Théâtre de l'Usine angesichts der Sperrung von Subventionsgeldern (s. Newsletter vom 13. November 2015). Der Berufsverband hat sich mit einem Brief an die verantwortlichen Genfer Behörden gewandt.

 

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin,
Sehr geehrter Herr Staatsratspräsident

Soweit uns bekannt, hat das kantonale Departement für Sicherheit und Wirtschaft in Genf einen neuen Erlass für die Genehmigung von Barbetrieben an Theatern, Sportstätten usw. eingeführt. Dieser zwingt das Theater Usine dazu, für jede einzelne seiner insgesamt fünf Bars eine eigene Genehmigung zu beantragen. Die Usine wünscht eine einzige Genehmigung, welche für alle Bars im Kollektivbetrieb gilt.
Dies ist nicht nur eine formelle Frage, sondern eine der Funktionsweise: fünf Genehmigungen zu beantragen, bedeutet eine schwerfälligere Administration und eine völlig andere Verantwortlichkeit, die nicht mit der Philosophie und der Funktionsweise der Usine zusammenpassen. Nach langen Verhandlungen mit den Behörden seit Anfang 2015 ging die Usine davon aus, dass man sich geeinigt hätte. Jetzt aber haben die kantonalen und städtischen Behörden drastische Massnahmen ergriffen:
- Der Regierungsrat hat bestimmt, dass die Leistungsvereinbarung mit dem Theater sistiert wird, sowie auch mehrere Beiträge wie z. B. jener der Loterie Romande.
- Die Kulturverantwortlichen der Stadt Genf sind zwar kurzfristig mit finanzieller Hilfe eingesprungen, damit die aktuellen Anlässe durchgeführt werden können. Es konnten einige Mittel deblockiert werden, aber vor allem die Lotteriegelder sind nach wie vor eingefroren.
 - Der Stadtrat droht ausserdem damit, ab 2016 sämtliche Subventionen zu streichen, wenn sich das Theater in der Frage der Genehmigung für die Bars nicht an die Vorgaben hält.
Danse Suisse ist der Berufsverband für die Schweizer Tanzschaffenden, anerkannt und subventioniert vom Bundesamt für Kultur. Wesentliches Ziel ist die Interessenvertretung unserer Mitglieder, der Kultur im Allgemeinen und des Tanzes im Besonderen.
Angesichts des Konflikts zwischen dem Théâtre de l'Usine und den Genfer Behörden bezieht unser Verband Stellung für die Usine und gegen eine Gefährdung ihrer Aktivitäten.
In diesem Zusammenhang möchten wir Ihre Behörde bitten, die folgenden Punkte zu bedenken:
Das Théâtre de l'Usine ist ein Kulturort, der vor allem dem zeitgenössischen Tanz Entwicklungsmöglichkeiten bietet und der nach wie vor mit seiner charakteristi- schen Identität schweizweit und auch im Ausland bekannt und anerkannt ist. Seine Identität bezieht das Theater aus einer Philosophie, die es seit seinen Anfangs- tagen und bis heute prägt. Um dieser Philosophie gerecht zu werden, wurde und wird die Usine als selbstverwaltetes Theater geführt, das in seiner Funktions- weise sehr gut in die Genfer Kultur- landschaft passte. Die Kunst geniesst eine Ausnahmestellung bezüglich der Freiheit des Ausdrucks; sie muss weiterhin Raum für Alternativen bieten können, sei es im ideellen Bereich, sei es in der Praxis. Danse Suisse spricht sich vehement für die Existenz des Théâtre de l'Usine aus und fordert, dass dieses seine Arbeit fortsetzen kann. In diesem Sinne möchten wir die Behörden von Kanton und Stadt Genf dazu aufrufen, eine Lösung zu finden, die den kulturellen Besonderheiten der Usine gerecht wird.
Sofern nötig, ist Danse Suisse gerne bereit, sich an einem Diskussionsprozess zu beteiligen und zwischen den drei Partnern der Fördervereinbarung, die der Subventionierung des Kulturzentrums zugrunde liegt, zu vermitteln.
Wir danken Ihnen für die Berücksichtigung unserer Überlegungen und grüssen Sie bestens.
Danse Suisse

17.09.2014

Die Kulturbotschaft des Bundesrats für die Jahre 2016-2019 steht zur Diskussion

Über den Entwurf zur zweiten Kulturbotschaft des Bundesrats läuft das Vernehmlassungsverfahren. Dies bedeutet: Bis zum 19.September können sich alle zum Entwurf äussern. In den Kantonen, Städten und in der weitverzweigten Kulturszene laufen derzeit die Besprechungen auf Hochtouren. Wir stellen die Botschaft als Ganzes vor und berichten besonders über die Stellungnahme der Tanzorganisationen

Eine Kulturbotschaft, wie wir sie uns wünschen

Das Gesetz sieht vor, dass der Bundesrat der Bundesversammlung alle vier Jahre eine Botschaft zur Finanzierung der Kulturförderung vorlegt und darin seine Schwerpunkte für diese Zeit bestimmt. Nach der ersten Kulturbotschaft für die Jahre 2012-2015 ist für die Vierjahresperiode 2016-2019 die zweite Botschaft fällig. Der Entwurf steht derzeit zur Diskussion. Er umfasst 127 Seiten und kann unter www.bak.admin.ch heruntergeladen werden. Der Text lohnt eine gründliche Lektüre und eine seriöse Auseinandersetzung. Er bedeutet im Vergleich mit der Botschaft 2012 ff einen riesigen Schritt vorwärts. Warum?

Einleitend evaluiert der Bundesrat die Wirkung der Kulturbotschaft 2012-2015. Dann analysiert er die Umwelt. Er stellt fünf Megatrends von strategischer Bedeutung fest: Die Globalisierung, die Digitalisierung, den demografischen Wandel, die Individualisierung und die Urbanisierung.

Aus den Megatrends werden die Handlungsachsen der Kulturpolitik abgeleitet. Der Bundesrat will in der Kulturförderung drei Akzente setzen: bei der kulturellen Teilhabe, zu Gunsten des gesellschaftlichen Zusammenhalts, für Kreation und Innovation.

In einem Zwischenspiel hält der Bundesrat explizit fest, dass es um Wirkung zu erzielen eine nationale Kulturpolitik bräuchte, also ein gemeinsames Vorgehen der Städte, der Kantone und des Bundes. Er hält klar fest, „eine inhaltliche Abstimmung der Kulturförderung zwischen den Akteuren der verschiedenen Staatsebenen ist von wenigen Ausnahmen abgesehen (dazu gehört der Tanz) bisher inexistent“. Um dem Mangel abzuhelfen, treffen sich seit 2013 regelmässig die politisch und die administrativ Verantwortlichen zum Nationalen Kulturdialog. Dessen Ergebnisse sind noch bescheiden. Doch der Anspruch ist hoch; aus Sicht des Bundesrats sollen die drei Handlungsachsen zu einer nationalen Kulturpolitik führen.

In den weiteren Kapiteln der Botschaft werden für die verschiedenen Förderbereiche die Ausgangslage, die Herausforderungen und die geplanten Massnahmen dargelegt. Dem Tanz ist ein eigener Bereich gewidmet.

Was uns überzeugt, sind zwei weitere Teile der Botschaft. Der Bundesrat begnügt sich nicht damit zu sagen, was nötig wäre. Dort, wo es weiss was er will, aber keine Handhabe hat, beantragt er, neue Rechtsgrundlagen zu schaffen. So zum Beispiel für die Förderung der kulturellen Teilhabe. Das ist folgerichtig.

Gleichermassen folgerichtig – und in der heutigen Zeit staatlichen Sparens – mutig ist, dass der Bundesrat mehr Geld für die Kulturförderung fordert – 112 Millionen oder 14 Prozent zusätzlich – und erklärt, er werde neue Aufgaben nur anpacken, wenn er dafür die nötigen Mittel erhalte.

Fazit: Ein umsichtiger, kluger, konsequenter und mutiger Text, der weitestgehend Zustimmung verdient. Ist damit alles paletti? Nein, natürlich nicht. Aber die Mängel halten sich, realistisch betrachtet, in engen Grenzen. Danse Suisse spricht sie in seiner Stellungnahme an (siehe Kasten). Diese Stellungnahme wurde mit dem Tanznetzwerk Reso und dem Schweizer Tanzarchiv erarbeitet. Mit ihrer gemeinsamen Eingabe machen die drei Tanzorganisationen klar, dass sie mit vereinten Kräften für den Tanz einstehen. Dies ist ein wichtiges Zeichen für unseren Willen, den Tanz zu fördern.

Christoph Reichenau
Präsident Danse Suisse

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Stellungnahme der Kunstsparte Tanz

-> Stellungnahme von Danse Suisse, Reso und Schweizer Tanzarchiv
(Auszug)

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17.09.2014

Vernehmlassungsentwurf Kulturbotschaft 2016-19

Bern, 28.05.2014 - Der Bundesrat hat heute die Vernehmlassung zur Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2016–2019 (Kulturbotschaft) eröffnet. Die Kulturbotschaft legt Ziele und Massnahmen fest und bestimmt die Finanzmittel, die den Kulturinstitutionen des Bundes während der vierjährigen Förderperiode zugewiesen werden. Der Bund will seine Kulturpolitik auf drei zentrale Handlungsachsen ausrichten: Kulturelle Teilhabe, gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie Kreation und Innovation. Zudem will der Bundesrat die Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden verbessern, um eine kohärente Kulturpolitik auf nationaler Ebene zu erreichen. Zur Umsetzung seiner Kulturpolitik beantragt der Bundesrat Finanzmittel in der Höhe von 894.6 Millionen Franken.

-> Kulturbotschaft

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